Beliebte Posts

Sonntag, 19. Dezember 2010

Vietnam: von Hanoi bis Hoi An


Mit dem Nachtbus geht es auf nach Hanoi, Vietnams Hauptstadt. Mein erstes Mal in einem Sleeping Bus und dann so luxuriös: eigener Steward, eigenes geräumiges Bett samt Decke und Kissen. Den Spaß gibt es für gerade einmal 38 Euro. An der Grenze HK-China muss Andrea erstmal stramm stehen: Verbotene Früchte ins sozialistische Land schleusen ist streng untersagt. Eine Unterschrift unter irgendwas Chinesisches, dann dürfen wir weiter. Und ich habe meine Surf’n’Dive Tüte einfach nicht aufs Band gelegt und bin mit meiner Nashi Birne und Banane in China eingereist… Auweia! In Nanning, Südchina, habe ich sie mir schmecken lassen.
Es hupt überall. Zu viele Menschen, zu kleine Straßen und einfach zu viele Eindrücke.Willkommen in Hanoi.Ich habe noch nie so viele Mopeds auf einmal gesehen! Wenn es doch nur Mopeds wären… Es sind Transportmittel für so ziemlich alles: ein ganzer Vorgarten voller Blumen, ganze Kisten mit Hühnern, Klamotten, Ersatzteile…Vietnamesen kutschieren alles auf ihren Drahteseln. Und die anderen nehmen gleich ihr Fahrrad und mischen sich unter die hupenden Dinger. Die Straßenseite wechseln sollte sich etwas schwieriger gestalten. Ampeln? Fehlanzeige! Die paar wenigen dienen höchstens zur Straßenverschönerung. Okay, nach einem Tag gewusst wie: einfach laufen, nicht stoppen und nicht gucken und sich dann freuen, überlebt zu haben.

Hanois kleine Häuser und Gassen erinnern noch ganz an den französischen Kolonialstil. Einige wurden im Vietnamkrieg zerstört - Seelen und das alte Erbe. Alle Überbleibsel versprühen dennoch einen Charme einer chaotischen, aber liebenswürdigen Stadt. Ein junger Vietnamese erzählt von Hanoi und sich. Er spricht fließend Deutsch. Er ist in Deutschland aufgewachsen, nach 15 Jahren musste er dann zurück nach Vietnam. So wollte es Deutschland. Jetzt wohnt er mit seiner Mutter in Hanoi, hat wenige Freunde und verkauft Postkarten rund um den See. Er spricht Deutsch und Englisch und verkauft Postkarten. Mehr nicht. Jobs sind schwierig. In der Touristikbranche zahlen sie schlecht. Also verkauft er weiter Postkarten, die kaum ein Tourist haben möchte. „Was nervt euch am meisten an Hanoi? Die vielen Straßenverkäufer, die euch was andrehen wollen?", fragt er. Nein, es nerven nicht alle, nein, das tun sie nicht.
In Hanoi gibt es alles auf der Straße. Auch das Essen. Die traditionelle Pho, eine Nudelsuppe mit frischem Gemüse und ggf. Tofu oder Fleisch, gibt es bei vielen Straßenständen. Und diese Stände werden vorwiegend von Frauen betreut, die mit ihrem Töpfen und den Zutaten in die Stadt kommen, sich irgendwo am Straßenrand hinsetzen, köcheln und kleine Plastikstühle auspacken. Gegessen wird für 10.000 bis 20.000 Dong, also 50-80 Cent. Und es ist köstlich!!! Alles frisch. Wie würzen die nur?


Vietnams Norden ist bekannt für seine Halong Bucht. Eine zweitägige Tour kostet  uns 30 Euro. Dafür gibt es ein Boot mit eigenem Guide, ein netter Vietnamese, der zwar nur gebrochenes Englisch spricht, aber sich größte Mühe gibt, und eine eigene Crew. Wir sind fünf Mädels: Die drei German Girls, Ciara, unsere mitreisende Irin und Shirell, die Neue aus Israel. Ein Boot für uns allein. Tolles Seafood, Garnelen, Tintenfisch, Muscheln… Ich liebe das Essen hier. In der Bucht probieren wir uns im Kajaken und haben kleine Höhlen erkundet. Diese Landschaft ist einzigartig. Diese Felsen versprühen eine Mystik – vor allem wenn die Sonne nicht richtig will und sich ein leichter Nebel um sie hüllt. Natürlich stimmen wir ab, dass es das 8. Weltwunder werden soll.




Wir verlassen den Norden und fahren Nachtbus nach Hue und Hoi An. Hue ist nicht besonders schön, besitzt aber eine großartige Tempelstadt, auch wenn die Nachwehen des Vietnamkrieges auch hier zu sichtbar sind.



Wir mieten uns ein Fahrrad und fahren zum Strand. 15 Kilometer auf knallharten Satteln. Unsere Hotelbesitzerin rät ab, aber wir wollen Rad fahren. Die richtige Entscheidung! Wir verlassen das Zentrum und fahren nur geradeaus, vorbei an Häusern, überqueren Brücken und verfolgen das vietnamesische Leben. Kinder überall, sie schreien, lachen und winken. „Hello“, ich winke zurück. Ich lache. Ich liebe diese Kinder, so niedlich und offen gegenüber Fremden. Gut, wir sind auch die einzigen Touris weit und breit. Gegen 17 Uhr ist Schulschluss. Alle sehen sie gleich aus in ihren Schuluniformen. Die Jungs in hellblauem Hemd und dunkelblauer Hose. Die Mädchen tragen ähnliche Farben, aber Röcke. Eltern fahren mit ihren Motorbikes vor die Schule, packen ihre Kleinen aufs Bike. Die größeren fahren alleine mit ihren viel zu großen Fahrrädern nach Hause, einer vorn, einer hinten, manchmal auch zwei hinten drauf.



In Hoi An winkt uns ein anderes Vietnam. Hier hat anscheinend kein Krieg Schaden anrichten können. Hoi An ist wohl das alte Vietnam – vor 200 Jahren sah es ähnlich aus. Kleine Häuschen, schmale Gassen, bunt leuchtende Lampions und der Duft von Räucherstäbchen versprühen eine indochinesische Hippie-Atmosphäre. Hier läuft alles etwas langsamer. Motorbikes sind zu bestimmten Zeiten verboten, die kleine Altstadt ist schließlich UNESCO-Kulturerbe. Hoi An wirkt wie eine Spielzeugstadt. Ab neun Uhr abends schließen dann so langsam die Läden. Es wird ruhig.



Bekannt ist Hoi An auch vor allem durch seine Kunsthandwerke und maßgeschneiderte Kleidung. Unzählige Läden locken mit farbenprächtigen Kleidern, Lederschuhen und Anzügen. Ein Paradies für uns Mädels.  Abr auch die Herren kommen und gehen mit vollen Tüten. Eine Gruppe junger Aussies schickt erstmal  haufenweise Päckchen nach Hause. Und ich habe mir ein Kleid maßschneidern lassen. 15 Euro. Seide. Wenn wir schon einmal dabei sind, einmal meine Maße bitte für eine Bluse und Hose. Mehr ist leider nicht drin. Habe keinen Platz und kein Geld. Aber man soll’s ja auch nicht übertreiben.


3 Kommentare:

  1. "ich winke zurück. Ich lache. Ich liebe diese Kinder, so niedlich und offen gegenüber Fremden." ja, nimm doch gleich eins mit ;), so dass war der zweite post, p.s. ich musste mich extra anmelden um das hier zu schreiben, sehr kompliziert frau ehrle ;), lg

    AntwortenLöschen
  2. Hallo Brine,
    es ist wirklich ein Erlebnis, deinen Blog zu lesen. Es fühlt sich so an, als ob du uns mit auf die Reise nimmst, man kann sich alles so gut vorstellen..wie du den Kids zuwinkst oder wie ihr auf den Fahrrädern durch die Straßen fahrt.. (da kommt unsere Journalistin ganz groß durch).
    Ich wünsche Euch weiterhin so tolle Erlebnisse und passt auf Euch auf. Komm euch bald hinterhergereist, darauf könnt ihr euch verlassen ;).
    Liebe Grüße aus dem Winter wonderland (du würdest es lieben!!)

    AntwortenLöschen
  3. Süße, so shcön von dir zu hören. Tolle Bilder und was für ein schönes Kleid und die Locken mag ich ja eh wie du weißt. Hier schneit und schneit es und die tage werde ich bald wieder Steffi treffen. Wie immer wohl im KIEZ, aber du wirst fehlen dieses Mal. Dicken Knutscher!!!!!

    AntwortenLöschen